Bildquelle: The Royal Ocean Film Academy
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Wie Jacques Tati das grösste Chaos in den Griff bekommt

Video-Essay von Andrew Saladino

Würde man den kinobegeisterten Andrew Saladino dazu zwingen, sich für einen Lieblingsfilm zu entscheiden, würde er wahrscheinlich immer wieder auf Playtime des französischen Regisseurs Jacques Tati kommen. Der Film wird oft als dessen Meisterwerk beschrieben.

Saladino, der unter dem Namen The Royal Ocean Film Society (YouTubeVimeo) Video-Essays macht, hat bereits vor einem halben Jahr ein Video über Jacques Tatis Humor veröffentlicht. Im neuen Video konzentriert er sich auf eine einzelne Szene aus Playtime – diese dauert allerdings 48 Minuten. Die Szene zeigt den Eröffnungsabend eines edles Restaurants, der von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist und im Chaos endet. Saladino zeigt auf, wie Tati den Zuschauer durch dieses Chaos führt.

In der Szene gibt es um die 100 Figuren, von denen eine beträchtliche Anzahl prominent vorkommt. Die zahlreichen Handlungsstränge werden zu einem immer dichteren Netz verwoben. Meist spielen sich verschiedene Gags gleichzeitig ab. Die Gags werden immer wieder neu aufgenommen und so setzt Tati immer noch einen drauf, während er dem Zuschauer die Möglichkeit bietet, sich an etwas Bekanntem zu orientieren.

Andrew Saladino vergleicht den Eröffnungsabend mit einer Szene aus Tatis vorherigem Film Mon Oncle. In dieser wird klar, dass Tati seine Figuren bewusst einfach hält und ihnen spezifische, schnell erkennbare Charakterzüge gibt. Das erleichtert es dem Zuschauer, in einer Szene mit vielen Handlungssträngen den Überblick zu behalten.

Weiter werden einige Beispiele dafür gezeigt, wie Tati mithilfe von Farbe und insbesondere Soundeffekten den Blick des Zuschauers durch seine Wimmelbilder lenkt. Beim ersten Schauen sei es allerdings unmöglich, alles mitzubekommen. Auch ein Grund, weshalb es der Film bei Saladino auf den ersten Platz geschafft hat: Man muss ihn schon sehr oft gesehen haben, um nichts Neues mehr zu entdecken.

Es ist nicht erstaunlich, dass die Dreharbeiten für diesen Film sehr ermüdend waren. Im Interview sagt Tati, er müsse eine Weile mit dem Filmen aufhören.

Quellen: The Royal Ocean Film Academy, YouTube

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