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Autoindustrie reisst sich um die saudischen Frauen

Endlich dürfen saudische Frauen Auto fahren – und die Autoindustrie buhlt aggressiv um die neuen Kundinnen

Es ist das letzte Land der Welt, in dem Frauen nicht Auto fahren dürfen: Saudi-Arabien. Das soll sich nun ändern: Kronprinz Salman höchstpersönlich hat beschlossen, das Fahrverbot für Frauen aufzuheben. Am 24. Juni 2018 soll es so weit sein. Saudische Frauen dürfen endlich im 21 Jahrhundert fahren.

Nicht einmal eine Woche nach Bekanntgabe der Gesetzesänderung gehen verschiedene Autohersteller bereits auf Kunden- bzw. speziell auf Kundinnenfang. Volkswagen, Ford, Nissan, Land Rover, Cadillac oder Kia – jeder will der Erste sein. In nur wenigen Tagen hat die Autoindustrie speziell auf Frauen zugeschnittene Social-Media-Werbungen aus dem Boden gestampft.

Klar ist damit auch: Der königliche Erlass ist nicht nur ein Schritt in Richtung Gleichberechtigung, sondern vor allem auch wirtschaftlich motiviert. Millionen von Frauen könnten sich in naher Zukunft ein eigenes Auto zulegen wollen. Schliesslich gehört Saudi-Arabien zu den reichsten Ländern der Welt. Allerdings auch zu den restriktivsten, was die Rechte der Frauen anbelangt.

Männer geben immer noch den Ton an

Die Autohersteller müssen also auf den Goodwill der Männer hoffen. Denn aller Wahrscheinlichkeit nach wird sich die Frau nicht ohne die Zustimmung ihres Mannes oder Vaters ein eigenes Auto kaufen dürfen. Ebenso wenig, wie sie alleine eine Wohnung mieten, studieren, zum Arzt gehen oder ins Ausland reisen darf.

Zuletzt gab es in Saudi-Arabien allerdings einige Lockerungen: Im Mai erlaubte das Königshaus den Frauen erstmals, in Eigenregie ein Konto zu eröffnen und eine Arbeitsstelle anzutreten. Und im Juli gewährte das Bildungsministerium Mädchen die Teilnahme am Sportunterricht staatlicher Schulen.

Frauen, die sich ans Steuer setzten, wurden bis jetzt jedoch festgenommen oder sogar ausgepeitscht. Regelmässig gab es Proteste von Frauen, die sich trotzdem auf die Strasse wagten. Die Strafe folgte meist auf dem Fuss. Kein Wunder, reagierte Manal al-Sharif, eine der bekanntesten Frauenrechtlerinnen des Landes, euphorisch auf die Neuigkeit aus dem Königshaus: „Saudi-Arabien wird nie wieder dasselbe sein. Der Regen beginnt mit einem Tropfen.“

Im Gegensatz dazu bleibt Saudi-Arabiens konservativer Klerus bislang auffällig schweigsam. Das Fahrverbot haben die Imame stets damit begründet, Frauen seien zu dumm für das Steuer, könnten sich ihre Eierstöcke beschädigen oder in verbotenen Kontakt mit dem männlichen Geschlecht kommen, wenn sie bei einer Reifenpanne Hilfe bräuchten. Scheich Saad al-Hijri aus der südlichen Provinz Asir setzte kürzlich noch eins drauf, als er in einer Fatwa behauptete, Frauen dürften nicht Auto fahren, weil sie nur ein Viertel des Gehirns besässen.

Quellen: mashable.com / zeit.de / welt.de

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