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Kein Sex in Japan

Azuma Hikari ist die perfekte virtuelle Freundin, um japanischen Singles das Leben zu versüssen

von Eva Stroppel:

Japan ist bekannt für seine weitentwickelten Technologien und virtuellen Welten. Der neueste Coup ist Azuma Hikari, die perfekte virtuelle Freundin. Sie entstammt Minori Takechis Idee, der damit den Nerv der Zeit trifft. Mit Azuma Hikari kreierte er eine feenähnliche Superfrau, die dem japanischen Schönheitsideal entspricht (mädchenhaft, jungfräulich und dennoch erotisch), elektronische Geräte bedienen kann und dem Singlemann das Gefühl von Geborgenheit und Aufmerksamkeit schenkt. Via App kann sie sogar Textnachrichten verschicken. Sie wird als „(Ehe)Frau der Zukunft“ angepriesen, trägt Strapse, Hotpants und eine Schürze.

Minori Takechi erklärt sein Erfolgsmodell so: „Sie ist eine Person, die ihren Ehemann versteht und ihn immer unterstützt. Da es aber eine gewisse Distanz zu ihr gibt, ist der Benutzer entspannter. Er muss nicht ständig mit ihr kommunizieren.“

Auch Frauen können sich einen virtuellen Boyfriend zulegen. Dieser ist jedoch erst als Videogame verfügbar. Frau kann sich entweder einen pokemonähnlichen Knirps nehmen oder aber einen reichen Supermacho, der Dinge sagt wie „Ich habe dich gekauft. Du gehörst mir.“ Gemäss einer Strassenumfrage mit Testspielen kommt besonders der Macho gut bei den Japanerinnen an.

Warum aber hat die virtuelle Liebe so viel Stellenwert in Japan?

Mit 127 Millionen Einwohnern hat Japan eine der tiefsten Geburtenraten weltweit. Gemäss Studien haben rund 70% der Männer und 60% der Frauen zwischen 18 und 34 Jahren keine Beziehung, über 40% beider Geschlechter sind Jungfrauen. Dieses „Zölibat Syndrom“ findet seinen Ursprung in Japans Doppelmoral, was traditionelle Rollenverteilung und Fortschritt anbelangt. Bis heute kann man kaum unbehelligt als Paar zusammenleben geschweige denn Kinder haben, wenn man nicht verheiratet ist. Wenn eine Frau heiratet, wird sie jedoch automatisch in das klassische Rollenmodell der Hausfrau und Mutter gedrängt, da die Wirtschaft Teilzeitarbeit fast gar nicht anbietet. Japans Frauen sind heute aber emanzipiert, sie studieren und verfolgen eine Karriere. Sie wollen das nicht für einen Kochherd aufgeben.

Ein japanisches Sprichwort sagt: „Die Ehe ist das Grab einer Frau“. Es bezieht sich auf früher, als Ehefrauen zu Gunsten der Mätressen ignoriert worden waren. Für die moderne japanische Frau würde die Ehe das Grab der hart verdienten Karriere bedeuten.

Die Männer entwickeln sich rückläufig, wollen nicht mehr 20 Stunden pro Tag arbeiten und finden Gefallen daran, mal nicht immer der geldscheissende Esel sein zu müssen. Da Japan aber auch eine Hochpreisinsel ist, kann sich ein Ehepaar praktisch keine Kinder leisten, wenn nicht beide arbeiten gehen. Die Katze beisst sich also selber in den Schwanz.

Es entsteht die „Pot Noodle Love“ Generation. Sie holen sich manchmal unverbindlichen Sex, wenn sie nicht gleich enthaltsam leben, konsumieren Internetpornografie und bevorzugen virtuelle Beziehungem, wie mit Azuma Hikari.

Quellen: Bloomberg, YouTube, The Guardian

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